Chemnitz 2025: Ein Stadtspaziergang über den Kaßberg
Chemnitz ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Anders als beispielsweise in Dresden finden sich hier eher wenige Sehenswürdigkeiten direkt im Zentrum. Das ist umso spannender für Besucher, die neugierig sind auf unverhoffte Entdeckungen – wie den Kaßberg, das größte zusammenhängende Jugendstil- und Gründerzeitviertel Europas.
Jugendstilgebäude mit kunstvollen Fassaden
Jenseits der Theaterstraße führt die Kaßbergauffahrt über den Flusslauf der Chemnitz in das unmittelbar westlich der Innenstadt gelegene Viertel. Wie es der Name Kaßberg schon vermuten lässt, liegt das beliebte Wohnquartier einige Meter höher als das Stadtzentrum. Absolut lohnenswert ist der Blick auf die dekorativen Fassaden der Häuser mit ihren zahlreichen, oftmals überraschenden Details.
Die Fassade der sogenannten Kyffhäuserburg ist kunstvoll gestaltet. Foto: Oliver Göhler
Die markanten Bauten gehen zurück auf die Zeit, als Chemnitz Industriemetropole war. Der Erfolg der ansässigen Unternehmer sollte auch nach außen sichtbar werden und so ließen die Industriellen sich ganz standesgemäß repräsentative Villen, Firmengebäude und Wohnhäuser errichten.
Majolikahäuser an der Barbarossastraße
Um die architektonischen Schätze des Viertels zu erkunden, ist die Kreuzung Weststraße/Barbarossastraße auf der Spitze des Kaßbergs ein guter Orientierungspunkt. Direkt um die Ecke, in der Barbarossastraße 48 bis 52, stehen die sogenannten Majolikahäuser. Das langgestreckte Jugendstilensemble aus drei Gebäuden entstand Ende des 19. Jahrhunderts.
Drei zusammenhängende Gebäude mit zahlreichen Schmuckelementen bilden den Komplex der Majolikahäuser. Foto: Oliver Göhler
Sofort ins Auge fallen die kunstvollen Schmuckelemente in der Klinkerfassade, die diesen Komplex zu etwas Besonderem machen. Farbige Majolikakacheln umrahmen als Fries und Reliefs mit Ornamenten und Figuren die Etagen. Erker, Gesimse und Balkons mit zierlich geschmiedeten Brüstungen gliedern die Fronten auf harmonische Weise.
Einstiges Wohnhaus des Schriftstellers Stefan Heym
Wer sich die Zeit nimmt, von Nebenstraße zu Nebenstraße zu schlendern, bemerkt in der Hofmannstraße 58 bis 60 ein weiteres beeindruckendes Jugendstilgebäude. Heute ist das hell verputzte Haus von 1912 mit seinen zwei Türmchen nach dem Schriftsteller Stefan Heym benannt. 1913 in Chemnitz geboren, lebte er als Kind und Jugendlicher mit seiner Familie in einer Wohnung im Erdgeschoss.
Das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Stefan Heym ist eines der beeindruckenden Jugendstilgebäude auf dem Chemnitzer Kaßberg. Foto: Oliver Göhler
Auf der anderen Seite der Weststraße stehen Unikate wie die „Märchenhäuser“ in der Gustav-Adolf-Straße oder die Kyffhäuserburg an der Ecke Hübschmannstraße/Theodor-Lessing-Straße. Schon einen Ausblick auf das „Neue Bauen“ der 1920er Jahre gibt die Wohnanlage Helenenhof nur wenige Meter weiter an der Walter-Oertel-Straße.
Hier lebte und arbeitete die Metallgestalterin Marianne Brandt
Weiter führt der Streifzug in den südlichen Teil des Kaßberges und zur imposanten ehemaligen Oberpostdirektion an der Reichsstraße 11. Das Bauwerk aus dem Jahr 1904 wurde in Anlehnung an die Gotik gestaltet und mit verschiedenen Wappen, Sandsteinornamenten und Glasmosaiken verziert.
Sehenswert ist auch der Sitz der Marianne Brandt Gesellschaft in der Heinrich-Beck-Straße 22. Foto: Marianne Brandt Gesellschaft e. V./Anett Schuster
Folgt man dem angrenzenden Stephanplatz weiter in die Heinrich-Beck-Straße, gilt es, rechterhand die Hausnummer 22 zu beachten. Das Neorenaissance-Gebäude ist das Eltern- und einstige Wohnhaus der bedeutendsten deutschen Metallgestalterin, Marianne Brandt. In ihren Studienräumen zeigt die Marianne Brandt Gesellschaft eine kleine Ausstellung zum Leben und Werk der Künstlerin.
Auf dem Kaßberg kann man gut und gerne einige Stunden beim entspannten Bummeln und Fassadengucken verbringen. Gemütliche Cafés, individuelle Geschäfte zum Stöbern und exklusive Boutiquen machen die Gegend zum Flanierviertel von Chemnitz.
Einen Vorschlag für eine 4,5 Kilometer lange Erkundungstour zu den architektonischen Highlights des Kaßbergs finden Sie bei Visit Chemnitz.
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